Verletzungsanfälligkeit im Verlauf des weiblichen Zyklus

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Verletzungen – ein Thema, mit dem sich vermutlich jede:r Sportler:in schon einmal auseinandergesetzt hat. Sei es zur Prävention oder bei der Rehabilitation einer akuten Verletzung. Aber stimmt es eigentlich, dass die Verletzungsanfälligkeit zu einer bestimmten Zeit im weiblichen Zyklus erhöht ist?

Die Grundlage

Vergangenen Sonntag war es soweit. Ich stand an der Startlinie zum ersten Wettkampf meiner Sommersaison. Durch COVID-19 hatte sich auch dieses Jahr der Saisoneinstieg etwas verzögert. Ich fühlte mich gut, es gab keine Auffälligkeiten. Vor allem nach überstandener Erkältung war ich froh an der Startlinie stehen zu können. Zu Beginn sollte es ein 100m-Lauf sein, denn dafür reicht meine Luft als ehemalige Langsprinterin immer. Ab in den Startblock, der Beginn eines eigentlich tollen Laufs. Bis mich mehrere kleinere „Knalle“ in meiner Wade nach 20m unfreiwillig stoppten: schwerer Muskelfaserriss.

Ich bin inzwischen alt und erfahren genug, dass es weit Schlimmeres als diese Verletzung gibt. Es ist auch nicht mein erster Muskelfaserriss. Schade ist es aber alle mal, denn die Saison war vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte. Wie es aber eben ist, hinterfragte ich erst einmal mein komplettes Verhalten. Waren es aktivierenden Sprünge am Tag davor? Lag‘ es an der Medikamenteneinnahme aufgrund der Erkältung in den vorherigen 14 Tagen? Oder ist es ernsthaft die Zyklusphase?!

Fragen über Fragen, die ich in diesem Beitrag versuche zu beantworten.

Die Studie

Irgendwo in meinem Hinterkopf hatte ich die Phrase: „Die meisten Verletzungen passieren in der Pre-Period-Week.“ Aber war das auch so? Vorne weg möchte ich sagen: Die Studienlage zu diesem Thema steckt noch in ihren Anfängen. Die Autoren der hier genannten Studie warnen eindringlich davor, dass diese Ergebnisse noch nicht auf dem Level sind, dass sie für die Trainingspraxis zuverlässig verwendet werden können. Hierzu sind weitere Studien notwendig, aus denen sich dann tatsächlich Richtlinien ableiten lassen können.

Im März 2021 wurde von Dan Martin et al. folgende Studie veröffentlicht: Injury Incidence Across the Menstrual Cycle in International Footballers

Ablauf der Studie

In einem Zeitraum von 4 Jahren wurden die Verletzungen englischer Fußballerinnen aufgezeichnet. Diese beobachteten eigenverantwortlich ihren Zyklus und dokumentierten die Zeitpunkte der Verletzungen. Dazu wurden die Zyklen jeweils in drei Phasen eingeteilt: frühe und späte Follikelphase, sowie Lutealphase. Die Verletzungen wurden außerdem in ihrer Häufigkeit unterschieden. Traten sie innerhalb eines typischen Zyklus auf oder in den Tagen, in denen er schon hätte beendet sein müssen (verzögerte Monatsblutung / „überfälliger“ Zyklus)?

Ergebnisse

Es konnten 156 Verletzungen von 113 Spielerinnen analysiert werden. Für folgendes Ergebnis wurden die Zyklen herausgerechnet, die als „überfällig“ gekennzeichnet werden konnten.

Injury incidence rates per 1,000 person-days were 31.9 in the follicular, 46.8 in the late follicular, and 35.4 in the luteal phase (…). Injury incident rate ratios showed that muscle and tendon injury rates were 88% greater in the late follicular phase compared to the follicular phase, (…) occurring over twice as often during the late follicular phase compared to other phases.

Dan Martin et al. (2021). Injury Incidence Across the Menstrual Cycle in International Footballers. Frontiers in Sport & Active Living.

Das bedeutet, dass Sehnen- und Muskelverletzungen zwei Mal so häufig in der späten Follikelphase auftraten, verglichen mit den anderen zwei Phasen.

Mindestens genauso interessant sind die Zyklen, die als „überfällig“ gekennzeichnet wurden. 20% der Verletzungen traten in der Zeit auf, in denen bereits der Start eines neuen Zyklus erwartet wurde. Dies könnte bedeuten, dass die Verletzungsanfälligkeit bei einem verzögerten Zyklus ansteigen könnte.

Fazit

Wie eingangs beschrieben, sind diese Ergebnisse eine gute Grundlage für erste Annahmen. Es könnte somit Zeitpunkte im weiblichen Zyklus geben, in denen die Verletzungsanfälligkeit ansteigen könnte. Die bisherigen Ergebnisse können als Grundlage für weitere Arbeiten zu diesem Thema dienen, sollten aber noch nicht als Richtlinien für die Trainingspraxis gesehen werden.

Für mich persönlich könnten folgende Faktoren ausschlaggebend gewesen sein. Aufgrund der erkältungsbedingten Medikamenteneinnahme hat sich mein Zyklus drastisch nach hinten verschoben. Deshalb fand die Verletzung in der Phase statt, in der bereits ein neuer Zyklus hätte starten sollen. Dies nehme ich als Anhaltspunkt, aber nicht als Auslöser / Lösung der Entstehungsgeschichte der Verletzung.

Bis zum nächsten Beitrag!

Sabrina #femaleperformancecoaching

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