NFP & Sport: 3 Fragen an Anne Schmuck

Female Performance

Eine der häufigsten Fragen, die mir in Bezug auf Verhütung gestellt wird: Welche Pille kann ich nehmen und sportlich davon profitieren? Meine Gegenfrage ist: Muss es die Pille sein, wenn wir so viele Alternativen haben? Wie wäre es zum Beispiel mit NFP & Sport? Deshalb habe ich einfach mal eine Expertin gefragt, die sich in Sachen hormonfreier Verhütung so richtig auskennt!

Im heutigen Beitrag ist Anne Schmuck zu Gast. Vielleicht kennst du sie auch unter ihrem Instagramprofil @undtschuesshormone ! Damit du Anne und ihren Werdegang ein bisschen besser kennenlernen kannst, stellt sie sich im Folgenden kurz vor:

Hi, ich bin Anne! Ich bin zertifizierte Beraterin für NFP und Zykluswissen und helfe Frauen dabei, ihren Zyklus kennen zu lernen und NFP sicher anzuwenden. 

Ich habe vor mittlerweile etwas über 14 Jahren die Pille abgesetzt. Damals hab ich vor allem unter depressiven Verstimmungen gelitten und das Gefühl gehabt, meine Gefühle nur gedämpft wahrzunehmen. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, ich war unter der Pille einfach völlig von meinem eigenen Körper entfremdet. Nach dem Absetzen besserten sich innerhalb kürzester Zeit alle Symptome und darüber hinaus veränderten sich auch Dinge, die mir während der Einnahme überhaupt nicht bewusst waren. Ich konnte zum Beispiel plötzlich wieder traurige Filme sehen, ohne sofort weinen zu müssen und hab drei Kilo an Wassereinlagerungen verloren. Auch im Sport habe ich große Unterschiede festgestellt: Seit ich nicht mehr hormonell verhüte, kann ich viel besser Muskeln aufbauen und auch meine Kondition ist deutlich besser geworden. 

Mittlerweile bin ich seit über 10 Jahren NFP Beraterin und begleite Frauen dabei, ihren eigenen Körper und Zyklus kennenzulernen. Viele von ihnen haben ähnliche Erfahrungen mit Pille & Co gemacht, manche haben auch noch viel stärkere Nebenwirkungen als ich erlebt. Sie darin zu unterstützen, wieder Vertrauen in ihren Körper zu fassen, ist für mich das allerschönste an meiner Arbeit. 

Was bedeutet eigentlich NFP und wie sieht das Kurzprofil dieser Verhütungsmethode(n) aus?

NFP ist die Abkürzung für „Natürliche Familienplanung“ und damit erst einmal ein Sammelbegriff für alle Methoden, die ohne Hormone, ohne mechanische oder chemische Barrieren und ohne Eingriffe in den Körper der Frau auskommen. Gemeinsam haben diese Methoden, dass sie fruchtbare und unfruchtbare Tage im Zyklus voneinander abgrenzen. In ihrer konkreten Anwendung und vor allem in ihrer Sicherheit unterscheiden sie sich aber sehr stark. Die sicherste unter den NFP-Methoden ist die symptothermale Methode Sensiplan, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und nachweislich genauso sicher funktioniert wie die Pille – nur eben ohne Hormone und ohne Nebenwirkungen.

Hinter NFP steckt im Grunde ganz nüchterne Biologie. Wir sind nämlich nur an rund sechs Tagen im Zyklus fruchtbar: am Tag des Eisprungs und ungefähr 5 Tage davor, weil Spermien in unserem Körper überleben und auf die Eizelle warten können. Während dieser fruchtbaren Phase verändern sich bestimmte Körperzeichen sehr deutlich, vor allem die Körpertemperatur, der Zervixschleim und der Gebärmutterhals. Wenn Frauen gelernt haben, diese Zeichen ihres Körpers wahrzunehmen und mit Hilfe des Regelwerks der Methode richtig zu deuten, können sie direkt selbst an ihrem Körper ablesen, ob sie gerade fruchtbar sind oder nicht. 

Kommen wir nun zu den 3 Fragen, die ich Anne zum Thema NFP & Sport stellen durfte:

  • Durch das Erlernen der NFP-Methode bekommt man spannende und sehr tiefgreifende Einblicke in den eigenen Körper. Kann NFP mir dabei helfen, mein Training auf meinen Zyklus abzustimmen? Auf jeden Fall! NFP ist eine tolle Methode, um den eigenen Zyklus sehr genau kennenzulernen. Leider wird immer noch sehr häufig vom angeblichen „Standardzyklus“ mit einer Länge von 28 Tagen und dem Eisprung am 14. Zyklustag gesprochen. Das ist aber tatsächlich überhaupt nicht die Realität! Nur knapp 13 Prozent aller Frauen haben einen Zyklus von 27 oder 28 Tagen – alle anderen haben längere oder kürzere Zyklen. Auch der Zeitpunkt des Eisprungs kann entsprechend stark variieren. Im Schnitt findet er ungefähr 14 Tage vor der nächsten Periode statt. Ist mein Zyklus also 36 Tage lang, ist der Eisprung wahrscheinlich ungefähr an Tag 22, in einem 25-Tage-Zyklus hingegen um Tag 11. Wenn ich mein Training an meinen Zyklus anpassen will, muss ich also erst einmal herausfinden, wie sich mein ganz persönlicher Zyklus verhält und wann überhaupt mein Eisprung stattfindet. Durch die Beobachtung der Körperzeichen kann ich sehr genau erkennen, in welcher Zyklusphase ich mich gerade befinde und den eigenen Traininingsplan exakt darauf abstimmen. 

  • Bei der Anwendung von NFP sollte man sogenannte Störfaktoren beachten. Kann (exzessiver) Sport zum Störfaktor werden? Als mögliche Störfaktoren gelten grundsätzlich erstmal nur Ereignisse, die für die einzelne Frau ungewöhnlich sind und vom gewohnten Alltag abweichen. Gehe ich also zum Beispiel immer erst gegen Mitternacht ins Bett, ist dieses späte Zubettgehen kein Störfaktor. Genauso verhält es sich mit Sport: Wenn mein Köper gewohnt ist, mehrmals die Woche Sport zu treiben, wird sich das in der Regel nicht als Störfaktor äußern.
    Bei wirklich exzessivem Sportverhalten kann es aber passieren, dass der Körper so stark belastet ist, dass er die Fruchtbarkeit einschränkt, um eine Schwangerschaft zu verhindern – denn dafür hat er in dieser Extremsituation einfach keine Kapazitäten. Deshalb haben Leistungssportlerinnen in Extremfällen keinen Zyklus und keine Periode mehr. Wenn das der Fall ist, kann ich natürlich auch mit NFP nicht mehr viel beobachten: Denn wenn überhaupt kein Zyklus da ist, verändern sich auch die Körperzeichen nicht oder kaum. In diesem Fall ist Sport also tatsächlich ein „Störfaktor“ beziehungsweise die ausbleibende Periode ein ernstes Alarmsignal dafür, dass der Körper überlastet und das Pensum zu hoch ist.

  • Was sind für dich die wichtigsten Faktoren oder Tipps, die du sportlich aktiven Frauen mit auf den Weg geben möchtest, die sich vielleicht bisher noch nicht an das Thema NFP gewagt haben? Nur Mut! Meiner Erfahrung nach ist NFP für Sportlerinnen ein wirklich wertvolles Tool, weil der Zyklus einen so großen Einfluss auf Energielevel, Muskelaufbau, Leistungsvermögen etc. hat. Je besser ich die hormonellen Abläufe in meinem Körper kenne und verstehe, umso leichter kann ich die zyklischen Veränderungen in mein Training integrieren und Nutzen daraus ziehen. Außerdem hilft die Zyklusbeobachtung dabei, ein positives Gefühl für den eigenen Körper zu gewinnen und Vertrauen in sich selbst zu fassen – beides sind ja auch im Sport große Vorteile 🙂


Liebe Anne!
An dieser Stelle möchte ich mich für deine Zeit und deine Antworten bedanken. Ich weiß nicht, wie es dir gerade als Leser:in geht, aber ich konnte so einige wertvolle Informationen zu NFP & Sport mitnehmen. Wenn du jetzt neugierig geworden bist und/oder bei Anne mehr zum Thema Natürliche Familienplanung erfahren möchtest, so kannst du ihre Homepage oder ihren Kanal auf Instagram besuchen.

Bis zum nächsten Beitrag!

Sabrina

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